Typisch Mädchen?
Kleine Mädels lieben rosa Kleidchen und spielen mit Puppen, kleine Jungs „machen auf stark“ und mögen Autos: Im Kindergartenalter werden die Stereotypen schon mal strapaziert – das gehört zur Entwicklung. Doch Eltern sollten ihrem Nachwuchs auch andere Rollenbilder vermitteln. Denn Kinder brauchen die Chance, ihren eigenen Weg entdecken zu dürfen – ohne von überholten Vorstellungen eingeengt zu werden.
Die vierjährige Livia probt den Aufstand: Das rosa Rüschenkleid muss es sein und sonst nichts. Mama Jeanette stöhnt: Sie sieht nur noch rosa und irgendwie auch schwarz. Wie soll später aus solch einer Märchenprinzessin eine Frau werden, die mit beiden Beinen im Leben steht? Jeanette war es von Anfang an wichtig, ihre Tochter unabhängig von ihrem Geschlecht zu erziehen. Sie soll später viele Möglichkeiten haben, ihren Weg zu gehen, ohne von vorgefertigten Rollenvorstellungen beeinflusst zu sein. Doch der Werkzeugkasten für Livia blieb so lange unausgepackt unterm Weihnachtsbaum liegen, bis Papa Daniel sich seiner annahm. Dafür freute sich die Kleine umso mehr über die neue Babypuppe, die Oma geschickt hatte.
Also doch alles angeboren: bei den Mädchen der Drang zur Fürsorge, das Kümmern und Bemuttern, das Desinteresse an Technik und bei den Jungs das Ganze andersherum? Wenn Ingenieurinnen und Hausmänner jetzt empört aufschreien, haben sie recht: So einfach lässt sich die Welt nicht in männlich und weiblich trennen. Denn nicht nur die Gene, sondern auch die Einflüsse der Umwelt bestimmen in komplizierten Wechselwirkungen mit, zu welcher Frau sich ein kleines Mädchen entwickelt und zu welchem Mann ein kleiner Junge.