Zwischen Mitwirkung und Überforderung

Viele Schüler werden von ihren Eltern massiv unterstützt: Eine Mehrheit der befragten Eltern erarbeitet mit dem Kind Lerninhalte, kontrolliert Hausaufgaben oder hilft gezielt vor Klassenarbeiten und Referaten.

Die Unterstützungsleistungen der Eltern liegen seit 2010 relativ stabil auf einem hohen Niveau.

Einigen Eltern wird im Allgemeinen ein geringes Engagement nachgesagt: Eltern mit niedrigem Bildungsabschluss oder mit Migrationshintergrund, Väter, vollzeitbeschäftigte Eltern sowie Eltern, deren Kind eine gebundene Ganztags-schule besucht. Die 3. JAKO-O Bildungsstudie beweist aber: In ihrem Engagement unterscheiden sie sich nicht von anderen Eltern. Teilweise ist ihr Engagement sogar größer!

Allerding geben 89 % der Eltern an, dass sie sich verpflichtet fühlen, sich intensiv um die schulischen Leistungen ihrer Kinder zu kümmern. 62 % beklagen, dass sie dabei vieles von dem leisten müssen, was sie eigentlich als Aufgabe der Schule sehen.

Prof. Dr. Dagmar Killus, Universität Hamburg
„Angesichts anhaltender Klagen über Rückzugstendenzen der Eltern sowie mangelndem Interesse an schulischen Belangen sind diese Ergebnisse positiv zu bewerten. Die intensive Unterstützung durch die Eltern muss aber auch kritisch gesehen werden. Besonders wenn sie von der Schule vorausgesetzt oder sogar eingefordert wird. Eltern mit einem niedrigeren Bildungsabschluss können ihre Kinder wahrscheinlich weniger gut unterstützen als Eltern mit einem höheren Abschluss. Ungleiche familiäre Voraussetzungen setzen sich damit in der Schule fort. Mit Chancengleichheit hat das wenig zu tun.“