Eltern wünschen sich G9 und Zentralabitur

Soll man bis zum Abitur 12 oder 13 Jahre zur Schule gehen? Kein bildungspolitisches Thema hat in den letzten Jahren die öffentliche Diskussion so stark bestimmt wie die Frage nach der gymnasialen Schulzeit. Währenddessen ist eine zweite Debatte um das Abitur in den Hintergrund geraten: die Frage nach der Gestaltung der Abiturprüfung. Genauer: die Forderung nach einem bundesweiten Zentralabitur. In der 3. JAKO-O Bildungsstudie haben wir Eltern schulpflichtiger Kinder erstmals zu diesem Thema befragt.

Für ein bundesweites Zentralabitur
Eine überwältigende Mehrheit der Eltern (92 %) spricht sich für ein bundesweites Zentralabitur aus. Sie kritisiert damit, dass jedes Bundesland eigene Abiturprüfungen mit spezifischen Aufgabenstellungen durchführt. Die Eltern sehen in einem Zentralabitur einen wesentlichen Beitrag zu einem gerechten Schulsystem, in dem Leistungen tatsächlich vergleichbar sind.

Prof. Dr. Klaus-Jürgen Tillmann, Universität Bielefeld
„Wenn 92 % der betroffenen Eltern das länderspezifische Abitur als abschaffungswürdig ansehen, dann kann das in einem demokratischen Staat nicht ohne Reaktionen bleiben. Eine Bildungspolitik, die Eltern verstärkt einbeziehen will, wird mit solchen Forderungen umgehen müssen.“

Keine Verkürzung der Gymnasialzeit
Acht von zehn Eltern (79 %) bevorzugen für ihr Kind einen G9-Bildungsgang. Damit werden die Ergebnisse der 2. JAKO-O Bildungsstudie aus dem Jahr 2012 exakt wiedergegeben. Deutlich gestiegen (von 41 % auf 54 %) ist allerdings der Anteil der Eltern, die ein Doppelangebot (G8 und G9) wünschen

G8 stressiger als G9?
Die oft geführte Klage über den großen Stress und Leistungsdruck an den G8-Gymnasien spiegelt sich in den Ergebnissen nicht wider: Vergleicht man die Schulerfahrungen von G8- und G9-Eltern, so finden sich – auch bei der Stressbelastung der Kinder – kaum Unterschiede. In beiden Bildungsgängen gehen die Kinder gern zur Schule (86 % bzw. 89 %) und können die Anforderungen ohne elterliche Hilfe gut bewältigen (jeweils 72 %). Nur wenige werden von den Eltern für „überfordert“ gehalten (9 % bzw. 5 %). Allerdings erhalten G8-Schüler häufiger Nachhilfe (23 %) als G9-Schüler (16 %), und die Eltern helfen häufiger bei der Vorbereitung auf Klassenarbeiten (73 % bzw 64 %).