Inklusion: ja, aber ...

Die Diskussion darüber, ob Kinder mit besonderem Förderbedarf besser in be-sonderen Einrichtungen mit spezifisch ausgebildetem Personal oder an allge-meinen Schulen gemeinsam mit Kindern ohne besonderen Förderbedarf lernen sollen, ist nicht neu. Wir haben in der 3. JAKO-O Bildungsstudie Eltern nach ihren Erwartungen zur Inklusion und ihren bisherigen Erfahrungen damit befragt.

Inklusion kommt voran

  • 27 % der Eltern geben an, dass in der Schule ihres ältesten schulpflichtigen Kindes behinderte und nicht behinderte Kinder bereits gemeinsam unterrichtet werden. Die 3. JAKO-O Bildungsstudie spiegelt damit den kontinuierlichen Anstieg des Anteils von Kindern mit besonderem Förderbedarf in Re-gelschulen wider. Die höchsten Werte finden sich in der Primarstufe (34 %) und in Gesamtschulen der Sekundarstufe (45 %). Inklusion findet demnach überwiegend an integrierten Schularten statt.
  • Eltern, die bereits über Erfahrungen mit Inklusion verfügen, stehen ihr auf-geschlossener gegenüber. Sie nehmen das Handeln der Lehrkräfte besonders positiv wahr und beurteilen auch die eigenen Mitgestaltungsmöglichkeiten als sehr günstig.

Geteiltes Meinungsbild

  • Die Mehrheit der Eltern (88 %) erkennt eine fördernde Wirkung des ge-meinsamen Lernens auf das Sozialverhalten der nicht behinderten Kinder.
  • Knapp die Hälfte (46 %) befürchtet eine Bremswirkung auf deren fachliches Lernen.
  • Gut zwei Drittel (71 %) meinen, dass behinderte Kinder in Sonderschulen besser gefördert werden als in allgemeinen Schulen.

Förderung des Sozialverhaltens nicht-behinderter Kinder

Unverändert klares Votum für Sonderschulen: Mehr als zwei Drittel aller be-fragten Eltern meinen immer noch, behinderte Kinder werden in Sonder-schulen besser gefördert.

Art der Behinderung entscheidend

  • Bei körperlich beeinträchtigten Kindern und Kindern mit Lernschwierigkeiten sind sehr viele Eltern für gemeinsamen Unterricht: 91 % bzw. 71 %.
  • Bei Kindern mit geistigen Behinderungen und solchen mit Verhaltensauffäl-ligkeiten sind die Eltern hingegen skeptisch. Nur 45 % bzw. 43 % können sich hier eine gemeinsame Beschulung vorstellen.
  • Dass Kinder mit geistigen Beeinträchtigungen und mit Lernschwierigkeiten auch in Gymnasialklassen integriert werden können, meinen lediglich 30 % bzw. 46 % der Eltern.

Prof. Dr. Kathrin Dedering, Universität Erfurt
„Schulbehörden und Schulen müssen den Dialog mit Eltern suchen und dabei auch deren Widerstände und Ängste thematisieren. Um eine inklusive Pädago-gik an Schulen verankern zu können, sind zusätzliche Ressourcen notwendig – also mehr Lehrkräfte und mehr finanzielle Mittel.“

Förderung des Sozialverhaltens nicht-behinderter Kinder

Bei der Umsetzung der inklusiven Schule sind die Bundesländer unterschiedlich weit. In den Stadtstaaten besucht bereits gut die Hälfte der Kinder mit beson-derem Förderbedarf eine allgemeine Schule. Von den Flächenländern erreicht nur Schleswig-Holstein mit knapp 60 Prozent einen vergleichsweise hohen In-klusionsanteil. Am niedrigsten ist er mit knapp 15 % in Niedersachsen.