Privatschulen: besser als öffentliche Schulen, aber Verschärfung der Ungleichheit

Private Schulen werben mit individueller Förderung, ganzheitlichem Lernen, Ganztags-angeboten oder mit kleinen Lerngruppen. Privatschulen haben Konjunktur. Während die Zahl der Schüler aus demografischen Gründen insgesamt zurückgeht, steigt sie an privaten Schulen kontinuierlich an.

Für eine Minderheit

Jedes achte Kind besucht heute eine Privatschule – vor allem kirchliche Privatschulen, seltener Waldorfschulen. Der höchste Anteil von Privatschülern findet sich unter den Gymnasiasten (insgesamt 11 %).

Die Mehrheit der Eltern, deren Kind eine öffentliche Schule besucht, betrachten Privat-schulen als exklusive Einrichtungen, die die soziale Ungleichheit verschärfen (67 %). Dies meint auch eine nennenswerte Anzahl von Eltern, deren Kind eine Privatschule besucht (41%). Dass wohlhabende Eltern ihre Kinder über den Besuch einer Privatschu-le von anderen abschotten befürchten sogar über drei Viertel (76 %) der Eltern, deren Kind auf eine öffentliche Schule geht – aber auch 37 % der Eltern von Privatschülern.

Bessere Angebote

77 % der Eltern von Privatschülern meinen, dass die Kinder an einer Privat-schule besser gefördert werden als an einer öffentlichen Schule. Deutlich mehr als die Hälfte (58 %) der Eltern von Schülern an öffentlichen Schulen sehen das genauso. Dies scheint zu einem großen Teil an den Lehrkräften zu liegen. Auch wenn die Leistungen der Lehrer von den Eltern in der 3. JAKO-O Bildungsstudie insgesamt gut bewertet werden: Lehrer an Privatschulen werden durchweg besser beurteilt als ihre Kollegen an öffentlichen Schulen. Eltern sehen sie als fachlich kompe¬tenter (95 % vs. 87 %) und engagierter (88 % vs. 76 %) an. Pri-vatschullehrer erkennen die Stärken der Kinder besser und fördern diese (83 % vs. 65 %) und unterstützen die lernschwachen Schüler effektiver (77 % vs. 62 %). Zudem stimmen sich die Lehrkräfte an Privatschulen aus Sicht der Eltern besser untereinander ab (79 % vs. 61 %) und setzen mehr auf moderne Unter-richts¬methoden (67 % vs. 54 %). Insgesamt bewerten die Eltern auch die An-gebote, die über den Unterricht hinausgehen an Privatschulen deutlich besser (82 % vs. 59 %).

Prof. Dr. Dagmar Killus, Universität Hamburg
„Die Unterschiede in der Bewertung zeigen, wo öffentlichen Schulen sich ver-bessern müssen. Die Entwicklung guten Unterrichts ist aber kein Privileg priva-ter Schulen. Dass dies auch unter den Bedingungen öffentlicher Schulen sehr gut gelingen kann, zeigt nicht zuletzt der ‚Deutsche Schulpreis’, der in der Ver-gangenheit ganz überwiegend an öffentliche Schule vergeben wurde.“

Vorteil von Privatschulen

Auch wenn die öffentlichen Schulen von den Eltern recht gut bewertet werden: Im di-rekten Vergleich wird deutlich, dass die Privatschulen bei allen Lehr-, Lern- und Erzie-hungssituationen besser abschneiden.

Motive für die Schulwahl

Warum entscheiden sich Eltern für eine Privatschule? Gründe sind auch das mangelnde Vertrauen von Eltern in das staatliche Schulwesen – ausgelöst durch die PISA-Ergebnisse – sowie (vor allem in den neuen Bundesländern) ein Nachholbedarf an der Realisierung pädagogischer Ideen. Zu solchen eher gesamtgesellschaftlichen Entwick-lungen gehört auch der gestiegene Wohlstand bei Mittelschichtfamilien, der es ihnen ermöglicht, kostenpflichtige, private Bildungsangebote zunehmend wahrzunehmen. Bessere finanzielle Möglichkeiten gehen dabei mit einem großen Interesse an Bildung einher.