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Waldkindergarten – Welches Konzept steckt dahinter?

Waldkindergarten

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Spätestens dann, wenn die ersten Monate mit dem Baby gemeistert sind und sich der Alltag eingespielt hat, kommen bei den meisten Eltern die ersten Gedanken an eine regelmäßige Kinderbetreuung auf. Neben Tagesmüttern gehören da auch Kindergärten zu den fest etablierten Betreuungsmöglichkeiten, die Eltern in Anspruch nehmen können. Dabei unterscheiden sich die Einrichtungen deutlich voneinander. Viele Kindergärten und Kindertagesstätten folgen bestimmten Konzepten. Auch Waldkindergärten gehören zu den Betreuungsangeboten und erfreuen sich auch immer größerer Beliebtheit. Doch welches Konzept steckt eigentlich dahinter? Wir haben Informationen rund ums Thema Waldkindergarten für Sie zusammengetragen und erklären Ihnen, welche Vorteile ein Waldkindergarten für Kind und Eltern hat.

Kindergarten im Wald – Was genau ist ein Waldkindergarten?

Geschichte: Wie bei vielen pädagogischen Konzepten liegt auch der Ursprung des Waldkindergartens in Skandinavien. Seit 1892 gibt es in Schweden eine Organisation, die eine naturpädagogische Richtung verfolgt und Aktivitäten für Kinder jeder Altersgruppe anbietet. Auch das benachbarte Dänemark folgte schon bald dieser Richtung. Hier wurde in den 1950er-Jahren der erste Waldkindergarten gegründet. Nach diesem Vorbild entstand 1993 der erste Waldkindergarten in Flensburg. Inzwischen gibt es in Deutschland weit mehr als 1000 Einrichtungen, die als Natur- oder Waldkindergarten nach dem skandinavischen Vorbild arbeiten.

Konzept: Natur- und Waldkindergärten liegt das Konzept zugrunde, dass Kinder in der Natur beste Voraussetzungen für die Entwicklung finden. Hier ist ausreichend Platz zum Bewegen vorhanden, alle Sinne werden angesprochen und zudem wird von klein auf ein ökologisches Bewusstsein vermittelt. Die Kinder verbringen den ganzen Tag im Freien. Ein beheizbarer und überdachter Rückzugsort wie ein Bauwagen wird nur dann aufgesucht, wenn Unwetter dies erforderlich machen. Konventionelles Spielzeug, das einen bestimmten Zweck erfüllt, ist in der Regel nicht vorhanden.

Rechtsform: In den meisten Fällen handelt es sich bei Waldkindergärten um eingetragene Vereine (e. V.), die durch staatliche Zuschüsse getragen werden. Zusätzlich sind viele Waldkindergärten auf Spenden und Elternbeiträge angewiesen. Oftmals werden sie als freie Elterninitiativen gegründet.

Die Vorteile der Waldkindergartenpädagogik

  • Viel Platz: Waldkindergärten sind so eingerichtet, dass die Kinder viel Platz zum Spielen, Toben und Erkunden haben. Da sich der Alltag im Freien abspielt, werden Waldkindergärten oft auch als „Kindergarten ohne Dach und Wände“ bezeichnet.
  • Gesundheit: Wer bei Wind und Wetter draußen unterwegs ist, entwickelt ein starkes Immunsystem und ist widerstandsfähiger gegen Infektionskrankheiten. Gleichzeitig passieren in Waldkindergärten weniger Unfälle, was auch darauf zurückzuführen ist, dass die Kinder lernen, sich sicherer in einer schwierigeren Umgebung zu bewegen.
  • Ökologisches Bewusstsein: Die Kinder sind jeden Tag in der Natur unterwegs und erleben diese hautnah. Wie nebenbei lernen sie, verantwortungsvoll und behutsam mit Lebewesen aller Art umzugehen.
  • Phantasie: Die Natur bietet ein breites Repertoire an Anregungen, es gibt immer wieder Neues zu entdecken. Beim Spielen mit Naturmaterialien können die Kleinen ihrer Kreativität und Phantasie freien Lauf lassen.
  • Sprachentwicklung: Da die Kinder nicht mit spielbestimmenden Spielzeugen spielen, müssen sie sich über den Gebrauch und die Bedeutung der Gegenstände im Wald beim Spielen austauschen. Das wirkt sich unterstützend auf die Sprachentwicklung aus.
  • Stressfrei: Da sich der Alltag im Waldkindergarten im Freien abspielt, ist die Lärmbelastung deutlich geringer als in geschlossenen Räumen. Dadurch sind sowohl die Kinder als auch die Erzieher geringerem Stress ausgesetzt.

Die Nachteile eines Waldkindergartens

Waldkindergarten

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  • Integration: Die meisten Waldkindergärten stehen der Integration von behinderten Kindern offen und positiv gegenüber. Je nach Art und Grad der Behinderung ist eine Aufnahme jedoch nicht immer möglich.
  • Krankheit: Wird ein Kind im Laufe des Tages krank oder schlapp, gibt es keine richtige Möglichkeit, sich auszuruhen.
  • Elternmitarbeit: Was für manche Eltern ein Pluspunkt ist, ist für andere ein echtes Manko: Im Waldkindergarten ist Elternmitarbeit meist Pflicht. Zu den Aufgaben der Eltern gehören z. B. das Erledigen von Besorgungen oder Reinigungsarbeiten.
  • Anfahrt: Vor allem für Familien, die im Stadtgebiet wohnen, gestaltet sich die Anfahrt und das Abholen der Kinder oft aufwändig, da Waldkindergärten in der Regel etwas außerhalb in der Natur liegen.

Checkliste für den Waldkindergarten

    Wenn Sie sich dafür entscheiden, Ihr Kind in einem Waldkindergarten betreuen zu lassen, werden Sie von diesem sicherlich eine Liste erhalten, in der festgehalten ist, was Ihr Kind für den Alltag dort benötigt. Da die Kinder bei jedem Wetter draußen sind gehören zur Grundausstattung für den Waldkindergarten:
  • Outdoorjacke, am besten im 3in1-Prinzip
  • Outdoorhose
  • Regenhose oder Matschhose, am besten in zweifacher Ausführung und gefüttert
  • Regenjacke, idealerweise im 3in1-Prinzip für alle Jahreszeiten und in zweifacher Ausführung
  • Wasserdichte, warme und bequeme Schuhe
  • Mützen in verschiedenen Ausführungen zum Schutz vor Kälte, Sonne und Wind
  • Handschuhe für den Winter, ggf. ungefütterte Matschhandschuhe
  • Unterwäsche wie Unterhosen, Unterhemd und Socken als Ersatz, für die kalte Jahreszeit zusätzlich lange Unterwäsche
  • Hausschuhe für die Unterkunft
  • Ein Kleidungssatz für die Unterkunft
  • Leichter Rucksack
  • Bruchsichere Trinkflasche
  • Abwaschbares Sitzkissen