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Mehr Vielfalt – Männliche Erzieher in Krippe und Kita

Männliche Erzieher in Krippe und Kita

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Das Idealbild der Familie ist seit eh und je: Vater, Mutter, Kind. In der durchschnittlichen Kindertagesstätte sieht das jedoch ganz anders aus: Obgleich Krippe und Kita für viele Kinder einen Lebensmittelpunkt darstellen, sind Männer in diesen Einrichtungen noch immer eine Seltenheit. Die Regierung und die Kita-Leitungen bemühen sich seit Jahren, mehr Männer für Erziehungsberufe zu begeistern. Aber was tragen Männer zum Kita-Alltag bei? Was machen sie anders als Frauen und welche Bedenken gibt es? Wir haben uns mit dem Thema auseinandergesetzt.

Männliche Erzieher in Deutschland: Die Fakten

Warum sind männliche Erzieher eine Bereicherung für den Kindergarten?

  • Frühkindliche Entwicklung: Unter Experten gilt es als erwiesen, dass Männer eine wichtige Rolle in der frühkindlichen Erziehung spielen: Als Bezugsperson und als Spielpartner bieten sie andere Perspektiven als Frauen. Da immer mehr Kleinkinder den Großteil ihres Tages in Krippe und Kita verbringen, wird es immer wichtiger, dass in den Betreuungseinrichtungen auch männliche Erzieher vertreten sind.
  • Gleichberechtigung: Genau wie Frauen Männerberufe ergreifen möchten, sollten auch Männer in klassischen Frauenberufen arbeiten können. Im Kita-Alltag steht dabei vor allem das Bild, das den Kindern vermittelt wird im Vordergrund: Männer übernehmen selbstverständlich die Kinderbetreuung und die typischen Geschlechterklischees werden entkräftet.
  • Vielfalt: Oft bringen männliche Erzieher neue Möglichkeiten mit in die Kita: Neben Vorlesen und Spielen übernehmen sie das Herumtoben und lebhafte Bewegungsspiele mit den Kindern. Die unterschiedlichen Schwerpunkte von Erziehern und Erzieherinnen machen die Betreuung vielfältiger und abwechslungsreicher für Kinder und Erwachsene.
  • Personalmangel: Der Grund ist banal, aber männliche Erzieher sind auch deswegen so gefragt, weil die Nachfrage nach neuem Kitapersonal weiterhin steigt. Männer in Erziehungsberufen werden künftig einfach notwendig sein, um eine flächendeckende Kinderbetreuung zu ermöglichen.

Warum werden Männer Erzieher?

Das ist die Frage, die sich viele Eltern im Geheimen stellen, wenn sie in der Kita ihres Kindes ein Erzieher begrüßt. Die Antwort ist in den meisten Fällen wohl recht unspektakulär: Genau wie Frauen entscheiden sich Männer für den Erzieherberuf, weil sie gern mit Menschen arbeiten, weil sie Kindern etwas mitgeben möchten oder die eigenen positiven Erfahrungen in der Kindheit weitervermitteln möchten. Viele haben vor der Ausbildung ein Praktikum oder den Bundesfreiwilligendienst in einer Kita absolviert und festgestellt, dass ihnen die erzieherische Arbeit Spaß macht.

Viele Männer als Quereinsteiger

Bei den Männern, die als Quereinsteiger in den Erzieherberuf wechseln, spielt oft die Wertschätzung eine Rolle. Sie waren in ihrem vorherigen Job nicht zufrieden und suchen nach einer Aufgabe, in der ihre Bemühungen unmittelbar anerkannt werden. Oft wächst bei Quereinsteigern der Wunsch, als Erzieher zu arbeiten, nachdem sie selbst Vater geworden sind.

Männliche Erzieher in Krippe und Kita

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Männliche Erzieher – Bedenken und Ängste

Wenn sich Männer für eine Laufbahn als Erzieher entscheiden, stehen sie meist vor dem gleichen Problem wie Frauen: Das Gehalt reicht kaum zum Leben, umso mehr, weil Erzieher meist in Teilzeit beschäftigt werden. Gleichzeitig hat der Erzieherberuf einen eher geringen gesellschaftlichen Stellenwert – paradox, wenn man bedenkt, wie viel Wert auf eine optimale Kindererziehung und -förderung gelegt wird.

Ein weitaus größeres Problem für männliche Erzieher ist aber das anfängliche Misstrauen vieler Eltern. Nicht wenige stellen Männer, die sich für die Arbeit im Kindergarten entscheiden, erst einmal unter Generalverdacht: Was, wenn sie meinem Kind zu nahe kommen? In vielen Einrichtungen sind Männer daher besonders zurückhaltend, wickeln die Kinder nicht und vermeiden auch beim Toben und Kuscheln intensiven Körperkontakt. Die ständige Vorsicht im Kita-Alltag und das offensichtliche Misstrauen kann gerade für junge Erzieher entmutigend sein. Allgemein gibt es noch etlichen Entwicklungsbedarf in Bezug auf die Geschlechterfrage.