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Waldorf Kindergarten – Was steckt dahinter?

Waldorf Kindergarten

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Eltern, die vor der Entscheidung stehen, einen Kindergarten für ihr Kind zu finden, werden schnell merken, dass die Auswahl an unterschiedlichen Schwerpunkten sehr groß ist. Zu den wohl bekanntesten pädagogischen Konzepten gehört die Waldorfpädagogik. Die Meinungen darüber gehen wohl weit auseinander. Für einige ist es eher spiritueller Unsinn, für andere die Möglichkeit zur freien Entfaltung. In unserem Artikel haben wir uns Waldorf Kindergärten für Sie einmal näher angeschaut.

Die Lehre Rudolf Steiners – Schöpfer der Waldorfpädagogik

Die von Rudolf Steiner erdachte Anthroposophie liegt dem Konzept der Waldorfpädagogik zu Grunde und wird auch als Basis für die Konzeption der Waldorf Kindergärten herangezogen. Dabei blickt er auf den Menschen als Ganzes. Demnach gibt es neben dem Leib auch die Seele und den Geist, die den Menschen ausmacht. Wichtig ist dabei, dass der Mensch seinen individuellen Platz in der Welt findet. Um das zu erreichen, sollen die Kinder ihr „Ich“ erkennen können. Die Aufgabe der Erzieher ist die Kinder in genau diesem Prozess zu unterstützen.

Grundlagen des Waldorf Kindergartens

  • Feste Abläufe: Nach Waldorf schränkt eine feste Struktur und Ordnung die Kinder nicht ein, sondern gibt ihnen die nötige Sicherheit, die sie brauchen, um sich frei zu entfalten. Dabei richten sich die Kindergärten in ihrer Planung nicht nur nach Tagen oder Wochen. Vor allem die Verbindung zur Natur, den Jahreszeiten und bestimmten Feiertagen wird hier gefördert.
  • Individuelle Förderung: Jedes Kind hat individuelle Fähigkeiten und Bedürfnisse, die es ausmachen. Im Waldorf Kindergarten soll nichts erzwungen werden. Dafür sollen die Erzieher die einzelnen Kinder besonders gut beobachten und auf sie eingehen.
  • Freies Spiel: Um die eigene Fantasie und Kreativität zu fördern, brauchen die Kinder Zeit und Raum, um ohne Zwang und Anleitung spielen zu können. Dafür wird ihnen nach Waldorf extra viel Zeit gelassen.
  • Handeln nach Vorbildern: Die Waldorfpädagogik gründet darauf, dass die Kinder am besten lernen, wenn sie etwas vorgelebt bekommen. Sie können die Handlungen der Betreuer nachahmen. Wie sie sich bei der Nachahmung fühlen, soll dann das anschließende Denken und Handeln beeinflussen.
  • Stimulierende Umgebung: Im Waldorf Kindergarten sollen die Kinder zum Spielen und Entdecken angeregt werden , ohne sie dabei einzuschränken. Aus diesem Grund sind die Materialien, die den Kindern zum Spielen angeboten werden, gegenstandlos und bestehen aus Naturstoffen wie Holz, oder Wolle. Da dem Spielzeug keine bestimmten Funktionen zugeordnet sind, können die Kinder ihm im Spiel jedes Mal eine neue Bedeutung verleihen.

Freiheit & Menschlichkeit: Wie wird im Waldorf Kindergarten gearbeitet?

Waldorf Kindergarten

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Im Gegensatz zu einer Waldorf Schule, in der sich der Ablauf und die Lehrinhalte nach einem Lehrplan richten und durchgeführt werden, sind Waldorf Kindergärten eher von der Menschenlehre Rudolf Steiners inspiriert und legen großen Wert auf Freiraum und Spiel. Wie genau die jeweilige Einrichtung das Konzept umsetzt, hängt aus diesem Grund stark von den Betreuern und deren Grundsätzen ab. Aber auch die Eltern haben einen großen Anteil an dem Konzept des Kindergartens beizutragen. Von diesen wird nicht nur erwartet, dass sie sich in die Gestaltung einbringen, sie sollten auch im Familienalltag zu einem großen Teil mit den Vorstellungen der Menschenlehre Steiners übereinstimmen. Besonderes Augenmerk wird darauf gelegt, dass Eltern ständig ihr Verhalten gegenüber ihrem Kind und anderen Menschen reflektieren, um dem Kind optimale Bedingungen für die Nachahmung und das Lernen zu bieten. Durch eine liebevolle Art und ungezwungene Zuneigung sollen die Kinder weiter motiviert werden. Dabei treten Bestrafungen und Ermahnungen in den Hintergrund. Das Ineinandergreifen von Familie und Kindergarten soll dabei durch größtmögliche Transparenz beim Handeln und Fühlen der Eltern und den Erziehern gewährleistet werden.

Ist der Waldorf Kindergarten etwas für mich und mein Kind?

Einen genauen Einblick in den Waldorf Kindergarten in Ihrer Nähe bekommen Sie am besten, wenn Sie einen Tag der offenen Tür wahrnehmen oder einen individuellen Termin vereinbaren können. Bei diesen Gelegenheiten können die Erzieher Ihnen genau erklären, worauf sie ihren Schwerpunkt legen und wie der Alltag in ihrem Kindergarten gestaltet ist. Ein Pluspunkt für die Pädagogik ist in jedem Fall die Möglichkeit zum freien Spiel, bei dem Kinder in diesem Alter am meisten lernen. Jedoch wird ein hohes Engagement und eine positive Einstellung der Eltern bei diesen Kindergärten vorausgesetzt. Wenn Sie nicht vollständig von der Lehre Steiners überzeugt sind und diese auch unterstützen können, wird Ihr Kind dies wahrscheinlich sehr schnell merken. Es kann passieren, dass es sich dann auch schlechter auf die Menschen und Aktionen im Kindergarten einlassen kann.